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Das Team der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH

10 Jahre »Chursachsen« - Das Geburtstagsinterview:

Zwei Personen stehen seit Gründung der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH (CVG) an der Spitze der Gesellschaft und sind damit auch zwei Gesichter des Unternehmenserfolges. Wir laden Verwaltungsdirektorin Heike Schlack und den Intendanten GMD Florian Merz zum großen Geburtstagsinterview:

Sehr geehrter Herr Merz, sehr geehrte Frau Schlack - 10 Jahre CVG heißt für Sie beide ja auch 10 Jahre kontinuierliche Kulturarbeit in Bad Elster. Welche Bedeutung hat diese Arbeit aus Ihrer Sicht für einen Ort wie Bad Elster?

Schlack: Für mich als gebürtige Oelsnitzerin und somit Vogtländerin ist unsere (Kultur)Tätigkeit in Bad Elster vor allem auch eine Stärkung der ganzen Region. Wenn wir damit die touristische Ausstrahlungskraft des sehr wichtigen Tourismusstandorts Bad Elster weiter erhöhen, profitiert auch zukünftig die ganze Tourismusregion im Oberen Vogtland, da bin ich mir sicher. 

Merz: Bad Elster ist traditionsreichstes Staatsbad in Sachsen, zugleich eine der bedeutendsten touristischen Destinationen im Freistaat und somit auch wirtschaftliches Zentrum mit entsprechend vielen Arbeitsplätzen für die Region. Das kommt nicht von allein, sondern basiert auf dem Potential der Destination: dem Zusammenspiel eines kompetent- dynamisch entwickelten, hochwertigen Gesundheits- und Kulturangebot, von dem die Gäste wie auch die Bevölkerung maßgeblich profitieren. Nur diese stimmige Gesamtheit führt professionell umgesetzt auch zukünftig zum Erfolg.

Herr Merz, Sie feiern zusätzlich zu 10 Jahren CVG auch noch 20 Jahre Bad Elster, Ihr 30-jähriges Dirigentenjubiläum und Ihren 45. Geburtstag - Welches Jubiläum ist Ihnen am Wichtigsten?

Der Geburtstag ist mir am unwichtigsten, ist doch der Weg das Ziel ☺. Anders: Ich bleibe jung und brenne - das gilt auch nach 30 Jahren Dirigieren von über 60 internationalen Orchestern in insgesamt ca. 1.300 Konzerten und davon ca. 400 Opernvorstellungen mit einem Repertoire von 900 Orchesterwerken und über 100 verschiedenen Musiktheaterproduktionen. Aber am Zusammenwachsen Deutschlands und hier im Dreiländereck Europas als Düsseldorfer für Sachsen 20 Jahre mit dem tollen Team der Chursachsen, professionell begleitet durch die sächsische Politik, Wirtschaft und Kultur mitwirken zu dürfen, macht mich glücklich.

Frau Schlack - In 10 Jahren haben sie zahlreiche Künstler für Bad Elster engagiert. Welche Begegnungen haben bei Ihnen denn im Rückblick einen besonderen Eindruck hinterlassen?

Ganz klar, die Begegnung mit dem 106jährigen Johannes Heesters am Valentinstag 2010 in Bad Elster war sicherlich ein besonderes Highlight – Schließlich wird er sicherlich der einzige Künstler sein, der älter war als das Theater selbst! Er hat das Konzert souverän gemeistert und danach sein "Bierchen" genossen... Das war schon professionell☺! Aber besonders waren auch die Begegnungen mit dem sehr zuvorkommenden Sky Du Mont, mit einem lockeren Wladimir Kaminer, welcher uns sehr überraschte, als er ohne Buch zu seiner LESUNG! kam oder mit Bernhard Hoecker, der erstmal seine Kletterausrüstung auspackte, um unseren faszinierenden Bühnenturm zu erkunden. Auch bleibenden Eindruck hinterlassen hat der Sänger einer Band am Silvesterabend, der mit dem Zug anreiste und am Bahnhof Bad Elster kurz aus dem Zug stieg, um zu schauen, ob er hier richtig ist... Nun fuhr der Zug jedoch weiter, mit dem Gepäck unseres Sängers! Also musste er die Silvestergala in Sweatshirt und Jeans bestreiten, was für ihn wohl ein sehr besonderer Jahreswechsel war. 

Herr Merz als Dirigent, Intendant und Geschäftsführer begibt sich mit einer Veranstaltungsgesellschaft wie in Bad Elster ja täglich auf den schmalen Grad zwischen künstlerischem Ausdruck, Publikumserfolg und betriebswirtschaftlichen Gesamtrechnungen - Was ist hier ihr Geheimrezept für ihre sehr erfolgreiche Balance?

In der Tat können wir sowohl wirtschaftlich als auch künstlerisch auf eine wirklich tolle Entwicklung verweisen. Basis dafür sind vor allem unsere betriebsinternen Entscheidungswege, welche immer der Sache dienen: Der positiven Entwicklung der Sächsischen Staatsbäder zum Wohle der Region, an der Schnittstelle von kultureller Aussage und touristischer Wertschöpfung. Dabei gelingt es uns vor allem mit kompetenten Partnern in einem synergetischen Netzwerkgedanken zu wachsen, um dadurch nachhaltig Identität und Werte zu schaffen.

Frau Schlack, in 10 Jahren gab es viel Erfreuliches, aber es gibt doch sicherlich auch Momente, die man schnell hinter sich bringen will. Erlauben Sie uns die Frage: Welches Erlebnis möchten Sie nicht unbedingt noch einmal erleben?

Die Absage einer ausverkauften Operettenvorstellung im Winter, weil im Theater die Heizung nicht funktionierte, sollte schon einmalig bleiben… Aber auch das Erlebnis mit einem sehr „emotionalen“ Gast, der sich nach einer Veranstaltung sehr, sehr lautstark über die schlechten Sichtverhältnisse aufgrund des Bühnenaufbaus beschwerte und sich dabei so echauffierte, dass sich andere Gäste schützend vor mich stellen mussten, will ich nicht unbedingt noch einmal erleben. Und die Beruhigung einer völlig in Tränen aufgelösten Servicekraft, die von einem Gast im hist. Kurpark mit Steinen beworfen und mit dem Stuhl umgekippt wurde, nur weil sie Eintritt für eine Veranstaltung kassierte, sollte sich auf keinen Fall wiederholen.

Egal ob Fechter oder Kleintierzüchterverein - Neben dem reinen Theater- und Kulturprogramm steht Ihre Gesellschaft auch für zahlreiche touristische Kooperationen und Produktentwicklungen für die ganze Kultur- und Festspielstadt. Welche sind Ihnen hier besonders ans Herz gewachsen?

Schlack: Gerade durch neue, persönliche Bekanntschaften wie mit dem engagierten Herrn Schulze vom Verein Pferdefreunde "Oberes Vogtland" bei der Vorbereitung unserer EQUIPAGE Bad Elster oder bei den erfolgreichen Projekten mit dem Julius-Mosen-Gymnasium Oelsnitz/V und Deborah Sasson oder dem Gymnasium Markneukirchen/V. spürt man in all den Jahren doch einen besonderen Bezug, der über reines „Business“ hinausgeht. Auch die Vorbereitung und Durchführung des jährlichen Brunnenfestes, trotz der immer wiederkehrenden „Organisationsschwierigkeiten, ist am Ende immer wieder spannend!

Merz: Das CVG-Netzwerk in seiner Gesamtheit! Besondere Freude bereiten mir insbesondere neue Kooperationen mit interessanten Partnern in Bereichen, wo bislang die Verbindung zur Kultur weniger Beachtung fand - eben Projekte wie z.B. die Reitsportveranstaltung EQUIPAGE. Aber auch unser Zusammenwachsen mit tschechischen Partnern besitzt für mich ebenso Priorität wie das umfassende, zukunftsorientierte Wirken mit "CVG-Kultur" als tatsächliche Wertschöpfung für eine bessere Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft in unserer Region.

Herr Merz, wenn Sie auf die Entwicklung zurückschauen - welche Komponente Ihrer Arbeit hat in diesen 10 Jahren den größten Sprung gemacht, was war Ihr erfolgreichstes Projekt?

Den größten Sprung hat es bei unserer Publikumsentwicklung gegeben: Es ist faszinierend, dass es offensichtlich gelungen ist, das Kulturpublikum in Bad Elster zu verdreifachen und gerade die Bevölkerung aller Generationen mit Kultur aller Art zu begeistern. Zum erfolgreichsten Leuchtturm hat sich dabei wohl das König Albert Theater mit seinem einzigartigen kulturellen Profil, einer ganzjährigen Vielfalt mit hohem Niveau, entwickelt.

Frau Schlack, Sie haben ja nicht nur das Künstlermanagement als Hauptaufgabe, sondern sind als Verwaltungsdirektorin auch für das technische Gebäudemanagement verantwortlich. Was waren hier die skurrilsten Anekdoten in 10 Jahren CVG? 

Sicherlich zählt hier der "Einbruch" eines Elsteraners in die Doppelwand des Musikpavillons am Königlichen Kurhaus mit anschließender Rettung durch die Feuerwehr zu den besonderen Anekdoten. Aber auch eine von den Behörden geforderte Gefahrenanalyse aufgrund einer Abweichung von 1 cm! gegenüber dem vorgeschriebenen „Sollsteigungsmaßes“ für eine Treppe, die nur von einem eingeschränktem Personenkreis unserer Firma zugänglich war, werde ich wohl nie vergessen. Doch auch neu eingebaute Zähler an der Heizungsanlage, die rückwärts liefen, ein heizendes Tiefkühlhaus und der Diebstahl eines Kippspiegels in einer Behindertentoilette durch sachgerechte Demontage am helllichten Tag gehören schon zu eher sonderbaren Vorfällen im Kulturalltag…

Herr Merz und Frau Schlack - die CVG ist ja im Grunde genommen ihr „Baby“, mittlerweile ist es jedoch fast erwachsen. Was macht aus Ihrer Sicht das besondere dieser Gesellschaft aus, unabhängig der allgemeinen und offiziellen Geschäftsstrategie?

Schlack: Ich persönlich glaube, dass vor allem das individuelle, jung bleibende Team unserer Gesellschaft mit vielen beruflichen „Quereinsteigern“ bei uns das Arbeitsklima positiv prägt. So werden Themen oft ziemlich „querdenkend“ und über alle Unternehmensbereiche hinweg beleuchtet, was oft einen sehr humorvollen aber auch konstruktiven Arbeitsalltag mit positiven, persönlichen Erlebnissen zur Folge hat…

Merz: Zur Umsetzung besonderer Visionen bedarf es entsprechender Menschen: Zum Einen ist das ein kompetentes, immens fleißiges CVG-Team. Hier stehen keine Tarifverträge, Vergütungen und Freizeiten etc. im Vordergrund, sondern primär die persönliche Befriedigung und Lebensfreude durch gemeinsamen Erfolg mit Menschen für Menschen und Partner aus Nah und Fern. Zum anderen tragen unsere Gesellschafter bzw. deren Vertreter- Herr Gernot Ressler (Geschäftsführer Sächsische Staatsbäder GmbH) und Herr Christoph Flämig (Bürgermeister der Stadt Bad Elster) durch klare Führung, verbunden mit Weitsicht, Vertrauen und Geschlossenheit, trotz seit jeher knapper Kassen für die Chursachsen, eine vorbildliche Verantwortung.

Zum Abschluss an Sie beide die logische Zukunftsfrage: Wo steht die CVG in 10 Jahren?

Schlack: Davon ausgehend, dass die Gäste uns weiterhin die Treue halten und wir unser Angebot weiter zeitgemäß ausbauen bzw. attraktiver machen können, unterstützt von unseren Gesellschaftern, Partnern und Sponsoren hoffe ich, dass es unsere Gesellschaft auch weiterhin schafft, Bad Elster über die Regionsgrenzen hinaus bei potentiellen Besuchern und Künstlern bekannter und beliebter zu machen. Der Anfang ist gemacht, denn die Frage "Bad Elster, wo liegt das denn?" ist bei der Künstlerakquise schon heute zum Großteil der Antwort gewichen "Ach stimmt, hab ich schon mal gehört, Sie haben doch dieses schöne historische Theater".... Also versprochen, wir bleiben auf jeden Fall weiter dran!

Merz: Ganz einfach: Die CVG stärkt weiterhin die Sächsischen Staatsbäder und das Vogtland/Westsachsen! Augrund seiner Traditionen und Potentiale sowie der sehr effizienten Struktur mit hoher Eigenerwirtschaftung wird sich dabei Bad Elster durch die CVG als richtungsweisende Kultur- und Festspielstadt dynamisch weiterentwickeln. Durch den kontinuierlich erarbeiteten künstlerischen Schwerpunkt „Mitteldeutschland“ (=Chursachsen) und der damit verbundenen, spannenden historischen Aufführungspraxis der hier seit 1817 beheimateten Chursächsischen Philharmonie gewinnt Bad Elster zentrale, „grenzenlose“ Bedeutung für den Kulturraum Vogtland-Zwickau sowie die gesamte Euregio Egrensis. 

Frau Schlack, Herr Merz wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch und sagen: Herzlichen Glückwunsch!