Das Spielzeit-Interview 2018/2019

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr GMD Merz, der neue Spielplan verdeutlicht durch die Fokussierung auf Genrekategorien vor allem auch den Gesamtansatz Ihrer Intendanz und steht salopp formuliert für ein »Bausteinprinzip« exklusiver und qualitativer Vielfalt. Um im Bild zu bleiben, was bedeutet hier die Gesamtansicht des »Bauwerks« für einen Ort wie Bad Elster?

Erst einmal soll dieses »Bauwerk« möglichst viele Menschen erfreuen können: Das Fundament sind hier natürlich die »klassischen« Theater- und Konzertveranstaltungen sowie der konsequente Ausbau weiterer Erlebnisse von hoher Qualität mit nationalen und internationalen Künstlern bzw. Ensembles. Auch in den verschiedenen Genrebereichen aus Jazz, Rock, Pop, Vokales, Entertainment und Weltkultur ist unser Theater als kulturelles Zentrum einer grenzenlosen Region im Herzen Europas etabliert – dafür stehe ich als Generalmusikdirektor und Intendant.

  • Der Generalmusikdirektor: Egal ob Weltstar oder
    Profi-Nachwuchs – die Bühne Bad Elsters verbindet
    Generationen und Kulturen!

Im Jubiläumsjahr zu »200 Jahren Gesundheitstradition« jährte sich auch der Geburtstag des ersten »Albert Theaters« in Bad Elster zum 130. Mal und zu Spielzeitbeginn feiert das Orchester den 200. Geburtstag seines ehemaligen Kgl. Sächsischen Kapellmeisters Christoph Wolfgang Hilf: Wie wichtig sind eigentlich diese Traditionen für Ihren künstlerischen Leitfaden?

Grundsätzlich gestalte ich Zukunft immer auch aus den Erfahrungsschätzen der Vergangenheit. In unserem Kulturkalender versuchen wir regelmäßig historische Momente und Traditionen zu spiegeln. Natürlich ist es mir dabei eine Herzensangelegenheit, gerade die Kulturgeschichte Bad Elsters entsprechend zu würdigen. Als Dirigent finde ich in der spannenden Historie auch immer künstlerische Inspiration. Dabei fühle ich mich immer dem großen, sogenannten »Klassik-Repertoire« der Symphonik und des Musiktheaters verbunden: Es gibt fast zu jedem Anlass (m)eine musikalische Begleitung … Egal ob Theatergeschichten, Komponistengedenken oder historische Ereignisse: Dadurch entstehen oft Assoziationen, die heutige Projekte und Ideen beeinflussen und so Zukunft neu gestalten.

Im Sommer 2018 haben Sie und Ihr Team das NaturTheater Bad Elster als deutlich vergrößerte Open-Air-Arena wiedereröffnet. Welche Strategie verfolgen Sie mit der Entwicklung dieser Spielstätte, gerade im Gegensatz zum König Albert Theater?

Die Etablierung und Inszenierung unserer sieben historischen Veranstaltungsstätten als »Festspielmeile der kurzen Wege« als wichtiger Bestandteil der »Königlichen Anlagen Bad Elster« ist die Basis der erfolgreichen Entwicklung Bad Elsters zur richtungsweisenden Kultur- und Festspielstadt. Das König Albert Theater bleibt dabei auch zukünftig Hauptspielort und spielt hier natürlich die »erste Geige«. Das NaturTheater war bislang eher eine sehr witterungsabhängige »Outdoor-Verlängerung« des König Albert Theaters. Jetzt profilieren wir das NaturTheater als zeitgemäß-eigenständige Open-Air-Arena. Diese hier deutlich vergrößerte Anlage mit fahrbarer Publikumsüberdachung und umfassender Technik/Service erweitert unser bisheriges Kulturangebot signifikant und ermöglicht uns noch breitenwirksamere Liveevents, die generationsverbindend ganz neue Zielgruppen für Bad Elster begeistern. Damit schaffen wir neue Aufmerksamkeit für den Gesamtaufenthaltsort und unser Vogtland.

  • Zwischen Kunst & Management: GMD Florian Merz backstage aber vor der Kamera!

    Zwischen Musik, Kultur & Management:
    GMD Florian Merz "backstage" vor der Kamera!

Sie sind ein leidenschaftlicher Dirigent und stehen in Bad Elster regelmäßig am Pult bei Symphoniekonzerten und Musiktheateraufführungen, was Ihren sonstigen Arbeitsalltag nicht gerade vereinfacht … Wie wichtig ist Ihnen persönlich diese wirklich anspruchsvolle, künstlerische Arbeit und auf welche Produktion des neuen Spielplans freuen Sie sich am meisten?

Als Geschäftsführer und Intendant bin ich eher nüchtern, rational, ergebnisorientiert. So arbeite ich als »Primus inter Pares« mit meinem großartigen Team der Chursachsen und unseren Netzwerkpartern. Dagegen ist das Dirigieren in gewisser Weise eine innerliche Bestimmung und auch echtes Lebenselixier. Meine künstlerische Arbeit ist für mich die Erfüllung persönlicher Leidenschaft. Der Prozess des gemeinsamen, aktiven »Ringens« mit Orchestern und Bühnen für die fantastische Sache der Musik schult mich dabei täglich auch für meinen nichtkünstlerischen Arbeitsalltag – das belebt ungemein! Lieblingsstück der Spielzeit 18/19? Natürlich der Spielplan insgesamt als harmonische Einheit ☺. Besonders freue ich mich auf Bruckners 8. Symphonie und unsere Operetten-Eigenproduktion »Pariser Leben« im Offenbach-Jahr 2019.

Die gesellschaftlich-politische Lage national wie international stellt uns alle vor neue Herausforderungen. Wie definieren Sie hier als Kulturmanager Ihre Aufgabe, gerade auch im regionalen Kontext und den Besonderheiten des ländlichen Raums?

Auch wenn Bad Elster zunehmend zu Recht für viele Gäste und Vogtländer eine besondere Oase des Wohlfühlens für Körper, Geist und Seele ist, berühren uns Veränderungen natürlich gleichfalls! Auch wir sehen Risiken im gesellschaftlichen Wandel, insbesondere eine immer mehr verrohende Scheinwelt in den sozialen Medien, diesem global enorm gewachsenen Kommunikationsbereich. Demografische Entwicklungen, neue Formen des Zusammenlebens und der Kommunikation bieten im Zeitalter der Digitalisierung aber gerade im ländlichen Raum auch Chancen, die wir nutzen müssen! Dabei ist es uns wichtig, dass unser Theater als Ort der Impulse und der Spielplan als Anregung zu Diskussion sowie für die Entfaltung eines gemeinsamen herzlich-friedlichen Europas dient. Unser Theater lebt von kultureller Offenheit und dem gemeinsamen Erlebnis auf und vor der Bühne. Wenn dieses Miteinander auch den Mut zu weltoffenen Gedanken beflügelt und dabei z.B. »gefakte« Angstszenarien ersetzt, dann wird die Kunst ihrer Vermittlerrolle gerecht. Dann ist das Theater auch ein Ort für Haltung und Entfaltung!

Herr GMD Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.