Das Spielzeit-Interview 2021/2022

GMD Florian Merz im Gespräch

Sehr geehrter Herr GMD Merz: Die neue Spielzeit beginnt, aber die Corona-Pandemie ist noch nicht vorbei. Im letzten Jahr kam der große Lockdown im November. Wie schätzen Sie heute die aktuelle Lage ein?

Für uns als Chursachsen ist gerade auch aufgrund unserer Staatsbad-Standorte - der Kultur- und Festspielstadt Bad Elster und dem benachbarten Bad Brambach - die bestmögliche Sicherheit für Publikum, Künstler und Mitarbeiter stets oberstes Gebot. Unsere Hygienekonzepte entsprechen dabei den behördlichen Vorgaben. Meines Erachtens bedarf es aber für eine gewisse Normalität und Planungssicherheit bei Veranstaltungen einer deutlich höheren Impfquote. Ich empfinde es als einen Segen für die Welt, dass es so schnell wirksame Impfstoffe gibt! Solange die Impfquote zu niedrig bleibt, wird es leider weiterhin Unsicherheiten im Veranstaltungsbereich geben. Wir als Chursachsen sind auf die möglichen Szenarien gut vorbereitet, hoffen aber auf eine optimale Durchführung unserer ambitionierten Spielzeitplanung.

  • Der Intendant: Richtungsweisend fokussiert

Theater, Orchester, Kunst & Kultur – selten wurde so viel und so unterschiedlich in den Zeiten der Corona-Pandemie berichtet. Aus Ihrer Sicht eines erfahrenen Intendanten: Was wurde in den letzten Monaten richtig und was wurde falsch gemacht?

Die ungeahnte und nie vergleichbar dagewesene Pandemie ist auf vielen Ebenen eine gigantische Herausforderung für die ganze Welt, für jeden einzelnen Menschen. Patentrezepte dafür gab und gibt es nicht, insofern muss(te) »auf Sicht« mit z.T. harten Einschränkungen agiert werden, wofür ich vollstes Verständnis habe. Insgesamt hat sich die deutsche Politik m. E. angemessen verhalten, vieles wurde richtig gemacht – was auch Anerkennung verdient. Die Förder- und Unterstützungsprogramme für den »großen« Kulturbereich waren sehr hilfreich, für die freie Szene und die vielen Soloselbständigen war es jedoch deutlich schwieriger. Genau aus diesem Grund haben wir ja mit unserem Publikum eine Spendenaktion gestartet, wobei ca. 2.000 Tickets im Wert von ca. 30.000 Euro zu Gunsten wirtschaftlich hart getroffener KünstlerInnen bzw. Kulturdienstleister über den Förderverein der Chursächsischen Philharmonie gespendet wurden. Darauf sind wir sehr stolz und dankbar. Das hat sicher enorm zum Durchhalten motiviert!

Sie selbst haben ja nach einer fast neunmonatigen Pause – seit Ihrem letzten Konzert zum 30. Deutschen Einheitstag am 3. Oktober 2020 – erst im Juni 2021 wieder dirigiert. Geben Sie uns einen Einblick in die Dirigentenseele: Wie war der »Neuanfang« für Sie?

Alle Künstler – so auch Musiker und Dirigenten – für die der Beruf Berufung ist, möchten diesen ausführen, um ihre künstlerische Botschaft zu transportieren. Die notwendigen Lockdowns, mit denen Veranstaltungen von heute auf morgen untersagt wurden, kamen einem Berufsverbot der Ausführenden sowie der ergänzenden Tätigkeitsbereiche gleich. Ich habe vollstes Verständnis für diese Lockdowns, aber diese Einschränkungen waren persönlich schwerwiegend - auch für mich als einen seit 40 Jahren agierenden leidenschaftlichen Dirigenten. Als im Juni endlich wieder das Musizieren für mich als Dirigent bei der Verdi-Oper »Aida« in unserem NaturTheater und kurz darauf beim Symphoniekonzert mit der Staatskapelle Weimar im König Albert Theater beginnen konnte, war es ein unglaubliches Gefühl. Innerlich war ich besonders gespannt, ob »noch alles wie immer funktioniert «. Nach diesen offensichtlich gelungenen »Debüts« war ich daher sehr glücklich und sehr erleichtert …

  • Immer ein offenes Ohr:
    Der Dirigent im König Albert Theater

Die Spielzeitplanung 2021/2022 war sicherlich in vielen Teilen »besonders«. Was waren aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen und was kann das Publikum 2022 Neues erwarten?

Wir haben rasch gelernt, mit den neuen Umständen angemessen umzugehen und danken unserem Publikum für das Verständnis. Auf diesen Erfahrungen basiert unsere Planung. Zahlreiche Veranstaltungen mussten auch bei uns aus 2020 und 2021 verschoben werden, was in der von uns geprägten »Gesamtterminkomposition« nicht immer einfach war. Wir haben aber die Corona-Pandemie gleichfalls genutzt, um uns im 20. Geburtstagsjahr als CVG unternehmensintern auch bzgl. unserer Angebote noch besser als »Antwort auf Corona« aufzustellen. Dabei sind wir z.B. sehr froh, gemeinsam mit der Sächsischen Staatsbäder GmbH unsere »Erlebnis- und Lichterwelt in den Königlichen Anlagen Bad Elster« als dauerhaft, ganzjährig-erlebbares Highlight der besonderen Art zu eröffnen sowie unsere gemeinsame Touristinformation Bad Elster als neues Servicecenter präsentieren zu dürfen. Im Waldpark Bad Elster lassen wir als »Elsterweltchen« einen neuen Waldspielplatz an historischer Stätte für unsere Familiengäste entstehen und natürlich freuen wir uns neben div. Jubiläen, Events und begeisternden Einzelveranstaltungen auf unser neues Festival »Chursächsischer Frühlingszauber« Anfang 2022.

Apropos Jubiläen: Sie feiern im Februar 2022 den 20. Geburtstag Ihrer Chursächsischen Veranstaltungsgesellschaft und sind dann zeitgleich 30 Jahre in Bad Elster tätig. Alles in allem ist Ihr »Ziehkind« nun richtig »erwachsen« geworden. Wie definiert sich dieses »Erwachsensein« in Ihren Augen am meisten?

Als wir 2002 – damals u.a. noch ohne König Albert Theater und NaturTheater Bad Elster – den Geschäftsbetrieb starteten, hatte wohl keiner erwartet, welche positive, von stetigem Wachstum geprägte Entwicklung die Chursächsische Veranstaltungsgesellschaft »CVG« kulturell, wirtschaftlich, touristisch und gesellschaftlich zum Wohle der Region erreichen würde. Aufbauend auf den kulturellen Traditionen Bad Elsters in der Musikregion Oberes Vogtland ist unsere stringente Strategie, basierend auf dem CVG-Dreiklang von a) unserer weltweit einmaligen »Festspielmeile der kurzen Wege«, b) einem stimmig-hochwertig-zielgruppenorientierten, breiten Veranstaltungsangebot und c) einer stets zeitgemäßen Vermarktung mit hohem Dienstleistungsservice nachhaltig und mit hoher Umwegrentabilität aufgegangen: Bad Elster ist heute auf CVG-Basis richtungsweisende Kultur- und Festspielstadt im Herzen Europas. Unser Erfolg hat mit den MitarbeiterInnen von CVG und Chursächsischer Philharmonie, unseren Gesellschaftern der Sächsischen Staatsbäder GmbH/Freistaat Sachsen und der Stadt Bad Elster, dem Kulturraum Vogtland-Zwickau, unseren Partnern und Sponsoren sowie natürlich unserem breiten Netzwerk Kulturschaffender und unserem großartigen Publikum viele Mütter und Väter – DANKE! Dass dieses gewachsene Zusammenspiel »auf Augenhöhe« hervorragend funktioniert und immer wieder neue erfolgreiche Impulse setzt, ist für mich der größte Beweis für die »Reife« der CVG. Umso mehr freue ich mich auf eine pulsierende, gemeinsame Zukunft!

Herr GMD Merz, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.